Gibt es Strom auf der Alp?

Lichtschalter drücken und es wird hell, Stecker in die Dose und das Gerät lädt auf. Die meisten von euch werden wohl unlimitierten Zugang zu Strom haben. Ich auch – fast immer. Denn im Sommer bei uns auf der Alp läuft das etwas anders.

Das Solarpanel auf unserem Dach

Stromanschluss? – Fehlanzeige

Unsere Alp, die Oberstockenalp, ist nicht an das Stromnetz angeschlossen. Deshalb setzen wir auf zwei andere Quellen, um unseren Strombedarf zu decken. Vor allem beim Melken und bei anderen Tätigkeiten mit hohem Stromverbrauch setzen wir auf einen Dieselgenerator. Sonst beziehen wir unseren Strom aus einer natürlichen Quelle – der Sonnenenergie. Das heisst also, dass wir was Strom angeht, völlig autonom sind. Gäbe es im Tal einen Stromausfall, wären wir nicht davon betroffen.

So funktioniert unsere Anlage

Ist es hell und vor allem bei Sonnenschein liefern unsere acht 24 Volt und parallel geschalteten Solarpaneele elektrische Energie. Die Paneele befinden sich auf unserem ehemaligen Schweinestall. Die Position dort ist ideal, da das Dach nach Süden ausgerichtet ist. Die gelieferte Energie fliesst über den Solarregler und lädt unseren Energiespeicher auf. Das sind vier 6 Volt Batterien in Serie geschaltet. Also total 24 Volt mit einer Kapazität von 200 Ah.

Das heisst: ein Verbraucher mit 4’800 W würde eine Stunde lang funktionieren. Oder 5 Lampen mit 10 W etwa 100 Stunden. Das ist aber nur ein theoretischer Wert. In der Praxis darf man die Batteriespeicher nicht ganz entladen, sonst gehen sie rasch kaputt.
Solarpaneel und Batterien liefern immer Gleichstrom. Unsere Verbraucher benötigen aber 230 V Wechselstrom. Deshalb bezieht der Inverter die Energie aus der Batterie, wandelt sie um und speist unsere Steckdosen mir 230 VAC. Läuft während dem Melken unser Generator, speist dieser auch via Inverter zusätzliche Energie für all unsere Verbraucher und lädt auch die Batterie.

Batterien

Die Sonne scheint viel – aber nicht immer

Die Schwierigkeit bei Solarenergie ist sicherlich, dass die Sonne nicht den ganzen Tag scheint. Und wenn es einmal tagelang nicht schön ist, müssen wir trotzdem auf den Generator zurückgreifen. Dafür verbrauchen wir wohl auch nicht ganz so viel Strom wie ein normaler Haushalt. Einerseits gibt es nicht im ganzen Haus Licht (beispielsweise im Massenlager nicht), andererseits setzen wir teilweise auch auf Solarlampen. Die stellen wir einfach tagsüber an die Sonne, damit wir sie dann abends im Dunkeln verwenden können.

Wir müssen immer etwas auf den Stromverbrauch achten. In unserer Küche hat es ein Paneel, an dem wir ablesen können, wie viel Prozent unser Akku noch geladen ist. Und was passiert, wenn der Akku einmal leer ist? Dann gehen alle Lichter aus, und wir greifen auch in diesem Fall auf den Generator zurück.

Unsere Hütte im Sonnenschein

Panel zum Ablesen des aktuellen Standes

Kabelsalat – und viel mehr Geräte als früher

Der Ort, an dem es wahrscheinlich den grössten Kabelsalat hat, ist bei uns in der Küche bei unserem Kassensystem. Das selbst besteht schon aus einem kleinen Drucker und einem iPad, die Strom benötigen. Steckdosen sind in unserem Haushalt rar und doch wollen alle ihre Smartphones geladen haben, auch die Gäste. Und weil es bei der Kasse mehr als eine Steckdose hat, sieht das dann halt so aus, wie auf dem Bild nebenan.

Das Ganze ist schon etwas lustig, wenn man daran denkt, dass die Anlage ursprünglich dafür geplant wurde, die Aufschnittmaschine und zwischendurch einen Mixer zu betrieben. Heute gibt es jedoch immer mehr Geräte, die Strom benötigen, auch bei uns auf der Alp. Früher wurden einige Sachen von Hand gemacht, die heute ein strombetriebenes Gerät übernimmt. Beispielsweise wurde der Käse im Kessi früher nur von Hand gerührt – heute übernimmt das ein Rührwerk.

Mit den Voraussetzungen wie wir sie haben, lernt man einen anderen Umgang mit Strom, da er nicht immer unlimitiert zur Verfügung steht. Schaden würde es uns aber nicht – im Gegenteil.

Kabelsalat in der Küche