Heute drehte sich mein ganzer Tag ums Holzen. Für einmal nicht im Holzschopf meiner Grossmutter oder auf dem Hausplatz meiner Nachbarn – nein, heute war Holz spalten im Tannisboden angesagt.

 

Gestern Abend ist Reto angereist, der sich bereits zu Beginn der Alpsaison fürs Spalten gemeldet hat. Und dann ging es heute nach dem Zmorge – Los von Rom. Für die Käseherstellung ist es von Vorteil, wenn die ‚Schitli’ ganz dünn und fein sind. So ist es dem Käser möglich die Temperatur fein zu regulieren, zwar sind die dünnen Scheiter von kurzer Brenndauer, jedoch lässt sich so in kurzer Zeit eine grosse Hitze erzeugen. Es ist also ein Aufwand, der sich auszahlt.

Holzen gehört seit ich denken kann, zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen, wie auch das Feuer machen. Ja ‚Schiterbigine’ machen, hat etwas sehr Meditatives an sich, wenn man es so nennen will. Jedes ‚Schitli’ wird kurz begutachtet, wie und wo es sich am besten in die ‚Bigi’ einfügt. Ebenso betrachtet man immer wieder die gesamte Konstruktion, dass sie nicht nach vorne ‚heutet’, sondern eher gegen hinten. Ausserdem sollen die relativ trockenen Holzstücke ohne grosse Zwischenräume platziert werden. Dazu gibt es die Faustregel: „Eine Maus sollte in die Holzbeige fliehen können, für die Katze sollte es jedoch kein Durchkommen geben.“ Dazu der Geruch des frisch gespaltenen Holzes und die verschiedenen Töne, wenn das Holzstück unter dem Spalter ächzt und schliesslich bringt. So eine Arbeit machen zu dürfen ist unbezahlbar. Dabei kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen.

Ich ertappe mich selber dabei, dass ich mehr so arbeiten sollte, wie beim Holzen. Jetzt nicht unbedingt auf die Alpzeit bezogen. Aber ich weiss von mir, dass ich in gewissen Situationen schnell ‚ines Züg ine chume’ und dann Fehler mache, die eigentlich zu vermeiden wären. Grundsätzlich wäre es aber besser, jede Arbeit mit Bedacht anzugehen, unnötiges ‚Pfudere zu vermeiden und sich darauf zu konzentrieren, was man im Moment tut, als mit den Gedanken schon beim nächsten oder übernächsten Schritt zu sein. (Personifizierung dieser Arbeitsweise ist ein Onkel Pesche.) Jaja, Kathrin darf auf ihrem Weg noch viel lernen. Und falls die Einsichten nicht von selber kommen, so muss ich halt ab und zu wieder eine ‚Holzbigi’ machen – fördert das Nachdenken extrem. 

Kurz vor dem Mittag ruft uns dann Esther. Nur am Rande habe ich heute morgen mitgekriegt, dass sie und Ueli Florence von der Weide geholt haben. „Ihr könnt euch Stiefel anziehen, und das Kalb anschauen kommen. Es ist schon da.“ Gesagt, getan. Florence steht als stolze Mutter neben ihrem zweiten Kalb. Es ist ein Schwarzweisses, wie die Mutter, mit einer schön symmetrischen Zeichnung am Kopf.

Gierig trinkt Florence das Wasser, das Esther ihr bringt. Immer wieder unterbricht sie ihr Trinken, um ihr Kalb wieder abzulecken und sicher zu gehen, dass es noch da ist. Nach einer Weile tragen Ueli und Reto das Kälbchen dann in den paratgemachten ‚Chrummen’. Neugierig wird es nun von seiner zukünftigen Kollegin Pisa (So heisst das Kälbchen von Jutta.) beäugt. Schon bald werden die beiden mit ihren strammen Beinchen um die Wette laufen. Ein lustiges Päärli.

Nach einem Gemeinschaftswerkzmittag, das funktioniert folgendermassen – Esther fungiert als Grillchefin – Barbara bereitet Gurken- und Bohnensalat und ich irgendwo zwischen den ‚Schitli’ Kartoffelcuts und Chabissalat…geht es weiter mit Holzen, bis wir schliesslich um kurz vor Fünf fertig sind.

Ich begleite Reto noch bis zur Mirenegg, bewaffnet mit Akkuschrauber und Aufsätzen – damit ich die Wegweisertür wieder befestigen kann und mache mich dann zu Fuss auf den Rückweg. Am Wegrand zum Tannisboden, wo ich vor einigen Wochen den Bärlapp entdeckt habe, sehe ich jetzt Triebe, die wie kleine Feuerzünglein aus ihrer Umgebung hervorzüngeln. Früher erzählt man, hat man aus den Bärlappsporen ein Feuerpulver hergestellt. Damit wurden die kleinen Zaubereien der fahrenden Zirkusse und Künstler zusätzlich untermalt. Sobald es also abtrocknet, werde ich versuchen, ob ich dieses Pulver einfangen kann. Drückt mir die Daumen.

Zum Abschluss des Tages, gehe ich noch die ‚Häse’ einfangen. Ja, ihr habt richtig gehört – die beiden Hasen, die zuvor auf dem Tannisboden wohnhaft waren, haben jetzt ein neues Zuhause und als ‚Ersatz’, wohnt jetzt ihre Mutter bei uns. Eine lustige ‚Häse’ ist das. Wenn man ihr das Futter- oder das Wassergeschirr hinstellt, so muss man das hurtig tun. Denn wie ein Blitz, kommt sie jeweils aus der Ecke geschossen und faucht dazu, als wäre sie ein kleines Raubtier.

 

So. Ich wünsche euch allerseits einen gemütlichen Samstagabend mit und ohne Holz in der Hütte oder vor der Hütte. 🙂 (Fichtenharzduft fördert offensichtlich auch die Flausen im Kopf.)