Gezäunt und gezügelt

Im Kopf wäre ja schon einiges vorgeschrieben, vieles wollte ich hier berichten. Aber dann fehlt immer irgendwie die Zeit, um mich in Ruhe vor den Computer zu setzen… Jetzt ist Noah mit zum Melken und die beiden Mädchen spielen mit dem etwas älteren Götiimeitli von Christian, welches bei uns in den Ferien weilt. So hoffe ich jetzt auf eine ruhige Schreibzeit.

Vom Zäunen wollte ich schreiben zum Beispiel. Eigentlich eine häufige Arbeit. Für mich aber doch eher Ausnahme, da es organisatorisch einfach meist besser aufgeht, wenn ich Hüttendienst mache. Deshalb geniesse ich es dann jeweils sehr, über Stock und Stein zu gehen und draussen zu Arbeiten. Beim Grenzzaun bei der Wiege kam auch Noah mit – mit Feuereifer. Für seine 3,5 Jahre war das schon sehr weit, natürlich weglos, oft durch Stauden und für so kurze Beine schon fast Kletterei. Aber wenn man so richtig motiviert ist… Eifrig half er den Draht einzuhängen. Hinter Tom welcher mit Locheisen und Schlägel die Pfähle einschlug und mir, ich rollte mit dem Haspel den Draht ab und suchte den richtigen Weg. Natürlich hatte Noah noch Unterstützung. Isa hielt in fest an der Hand und fürs Isolatoren reinschrauben und Draht spannen war hauptsächlich Regula zuständig.

Feierabend war danach noch nicht, Kühe holen, melken, Schweine füttern. Überall half Noah mit. Nur das Znacht fiel dann zur Hälfte aus, die Augendeckel wurden einfach zu schwer… Ganz so viel arbeitet unser Kleiner schon nicht gerade täglich. Aber an solchen Tagen toibelet er nicht, baut kein Mist und wirkt auch bei grosser Müdigkeit noch unglaublich zufrieden und ausgeglichen.

 

Die Wiege gehört zur Oberen Nüenalp. Da sie, Höchfarlen und das Rietloch bis Angangs Gleiter Böden gezäungt sind, konnten die Kühe und die Hälfte unseres Teams hochzügeln. Der Zügeltermin wird durch das Futterangebot bestimmt. Hier unter ist jetzt alles kahl. Nur noch im Dürren fressen noch die Rinder, was die Kühe überig gelassen haben. Es macht Sinn, die Weiden möglichst sauber abfressen zu lassen, damit nicht ausgerechnet weniger beliebte Gräser absamen und sich vermehren können. Auch nach den Rindern bleiben noch gewisse Pflanzen stehen, die meisten sind für die Wiederkäuer giftig. Das ist dann das Unkraut. Der einzige Weg, die Ausbreitung von diesem Unkraut zu verhindern, ist das Handmähen mit der Sense. Wir sind glücklicherweise ein recht grosses Team und können so sehr reglemässig Unkraut schneiden. Trotzdem wird man auf unseren 100 Hektaren Alpgebiet den Eindruck nicht los, hinter einem wächst das Unkraut schneller, als man vorne mähen kann… wir bleiben dran!!

 

Ich selber war noch nicht so oft auf der obern Alp, denn hier unten geht das Leben auch weiter. Wir haben eine fahrbare Schotterpiste zwischen den beiden Stafeln. Mit einem uralten Aebi können wir so die Milch zur Mittleren Nüenalp (unser Unterstafel) führen und verkäsen alle Milch den ganzen Sommer hier. Hier ist die Käserei viel besser eingerichtet. Zudem haben wir hier seit zwei Jahren ein richtiges kleines Besenbeizli, welches natürlich auch gehütet werden muss!

 

Um diese Zeit kommen keine Leute mehr, die Sesselbahn drüben im Habergschwänd hat schon abgestellt. Jetzt werde ich Servietten und Kärtchen für die Nacht reinräumen. Auch alle Holzgeräte und Käsebretter, welche wir zum trocknen gerne dem UV-Licht der Sonne aussetzten (zerstört Schimmel) räume ich rein. Dann das Gästegeschirr spülen, Znacht vorbereiten, Käse kehren, Mädchen pischälä… Und vielleicht zu allererst einmal kontrollieren, was so klöpft und tätscht im Mädchenzimmer…

 

Liebe Grüsse

Rahel