Ende September. Es ist still. Weit entfernt höre ich noch ein paar Kuhglocken, ganz leise Motorengeräusche von der Jaunpass-Strasse her und die Bise in den Baumwipfeln. Ansonsten ist es ruhig. Ich sitze auf dem Hüttenbank, halte das Gesicht in die Sonne und muss mich zwingen, in den Computer vor mir zu schauen. Es ist zu schön. Wir sind noch fast täglich oben und schlafen auch meistens hier.

Eigentlich gibt es noch so viel zu erzählen: vom Chästeilet im Justistal, vom Ausrechnen mit den Bauern, vom Abschied von Piotr, vom Abtransport der Käselaibe, von der Taxation und der Alpkäse-Meisterschaft. Aber mein Kopf ist leer. Es ist schwer in Worte zu fassen. Es scheint, als ob mich die Müdigkeit vom Sommer erst jetzt überrollt. Am Morgen komme ich fast nicht aus dem Bett und ich mache auch nicht so richtig vorwärts mit Aufräumen hier oben. Ich “grümschele” ein bisschen vor mich hin. Während dem Sommer war die strenge Arbeit normal, aber jetzt frage ich mich wirklich: Wie haben wir das nur geschafft?

Wehmut kommt auf, wenn wir uns an die letzten Monate erinnern. Es war ein ausgezeichneter Sommer. Ein wahrer Rekord-Sommer sogar und nicht nur, was die Temperaturen anbelangt. Einige Zahlen:

  • 1’196 Laibe Berner Alpkäse AOP
  • 1’240 kleine und grosse Mutschli
  • 96 Raclette-Käse
  • 880kg Butter
  • 4’800 Glas Joghurts

… und jetzt ist der Keller leer hier. Simon bringt gerade die letzten Alpkäse runter ins Winterquartier, wo sie noch weitere Monate reifen werden. Im nächsten Sommer werden wir hauptsächlich den Alpkäse von diesem Jahr verkaufen, denn mit jährig schmeckt er richtig gut. Und alle “Käse-Moudis” können sich freuen, die Qualität sollte stimmen! Vor einer Woche kamen zwei Experten vorbei und haben den Käse taxiert. Einige Laibe wurden angestochen und pro Kriterium (Äusseres, Lochung, Teig und Geschmack) gab es je 5 Punkte. Auch dieses Jahr durften wir uns über das Punktemaximum freuen. Eine schöne Bestätigung! Auch die Nachbarn, welche uns die Milch anvertraut haben, dürfen stolz sein. Denn aus schlechter Milch kann auch der beste Käser keinen guten Käse machen…

Schliesslich möchten wir noch allen danken! Und damit meine ich wirklich jeden, der immer wieder gerne ein Stück von unserem Käse isst, uns geholfen hat; mit uns zusammengearbeitet, gelacht und uns Mut gemacht hat.

So, jetzt schliessen wir die “Fellläde” und überlassen die Hütte den Alp-Geistern. Auf bald, liebe Site Alp! Wir werden dich nie vergessen…

Herzlich, Nadja

Ps: Danke für all die tollen Rückmeldungen. Es freut mich, wurde der Blog so fleissig gelesen. Gerne könnt ihr euch oben noch die Bilder anschauen. Da sind alle letzten Highlights zusammengefasst… Falls ihr mit uns in Verbindung bleiben möchtet: Site Alp ist auf facebook oder unter www.santschis.ch online. MERCI!