Was braucht es für ein gutes Leben auf der Alp – Stromanschluss, Abwaschmaschine oder doch nur einen Duschsack? Ein persönlicher Einblick in die Gratwanderung zwischen modernem Komfort und gelebter Einfachheit auf unserer Alp auf 1'776 m ü. M. im Simmental.
Stadtleben vs. Alpleben – wie modern seid ihr?
Ich nehme mal an, unter den Alpgeschichten-Leser:innen sind sowohl Leute, die in der Stadt wohnen, als auch solche, die auf dem Land, vielleicht sogar selbst auf einer Alp leben. Wie modern sind eure Lebensumstände? Seid ihr am Stromnetz angeschlossen? Habt ihr einen Induktionsherd? Eine Regendusche mit Glaswand?
Stromanschluss: Ein Schritt in eine neue Ära
Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ist das Leben auf einer Alp etwas «simpler», oder zumindest anders. Wusstet ihr, dass die Oberstockenalp beispielsweise erst seit gut einem Monat am Stromnetz angeschlossen ist? Mehr zum Thema Baustelle lest ihr in diesem Blogbeitrag. Davor hatten wir lediglich eine Solaranlage mit Batterie für den täglichen Bedarf: Rührwerk zum Käsen, Aufschnittmaschine, diverse elektronische Geräte und fürs Melken sowie für Notfälle (also wenn es längere Zeit nicht sonnig war) einen Dieselgenerator.
Wenn nun die Kühe gemolken werden, muss ich fast sagen, dass ich das monotone Surren des Generators beinahe vermisse, denn es gehörte für mich unweigerlich zur Geräuschkulisse auf der Alp.
Die Abwaschmaschine – eine Revolution auf der Alp
Ich erinnere mich noch gut: Als Kinder durften wir unsere Elektronikgeräte – na ja, ein «Natel» bekamen wir sowieso erst zur Konfirmation – nur dann aufladen, wenn der Generator lief. Sonst wäre die Batterie zu stark beansprucht worden. Das eine oder andere Mal, wenn der Akku leer war, hatten wir sogar einen kleinen «Blackout».
Der neue Anschluss hat einiges verändert, unter anderem haben wir jetzt eine Abwaschmaschine! Das ist für den Betrieb wahrhaftig lebensverändernd, denn nach dem Abendessen muss nun niemand mehr eine Stunde lang abwaschen. Ich glaube, ich habe für mein ganzes Leben genug abgewaschen und abgetrocknet, deshalb bin ich darüber sicher nicht unglücklich. 😉
Vom Duschsack zur Dusche
Auch beim Thema Duschen hat sich einiges getan. In unserer Kindheit badeten wir noch im Waschzuber, gingen in den nahegelegenen See oder benutzten einen Duschsack, den man mit warmem Wasser füllen konnte. Irgendwann wurde dann eine richtige Dusche zumindest für uns Älpler:innen gebaut. Für eine Alphütte fast schon luxuriös! Sie steht in einem ehemaligen Stall, funktioniert mit einem Gas-Durchlauferhitzer, und wenn es draussen kalt ist, lohnt es sich, sich schnell wieder anzuziehen. Im See gehe ich natürlich trotzdem immer noch regelmässig schwimmen.
Digitalisierung auf der Alp
Das Internet spielt schon lange eine wichtige Rolle in unserem Betrieb. Im landwirtschaftlichen Alltag melden wir unsere Tiere über die TVD – die Tierverkehrsdatenbank – für den Alpsommer an und ab. Buchungen laufen über unsere Website, und wir betreiben diverse Social-Media-Profile. Mit einem Video über das «Zügle» von Käse hatten wir vor zwei Jahren sogar einen viralen Hit. Unsere erste Website war schon um 2003 online und hat sich seither natürlich deutlich verändert.
Übrigens: Bis vor wenigen Jahren hatte man bei unserer Alp nur mit einem bestimmten Mobilfunkanbieter Empfang. Das ist heute glücklicherweise anders. Das Internet bzw. WLAN kommt auch nicht mehr über die sehr langsame Telefonleitung ins Haus, mittlerweile funktioniert auch dies über das Mobilfunknetz.
Ein bisschen Komfort, ein bisschen Einfachheit
Wie ihr seht, wurde auch das Leben am Berg moderner. Aber ganz so modern wie im Tal ist es dann doch nicht. Was würdet ihr vom «modernen Leben» am meisten vermissen?
Ich persönlich vermisse eigentlich nichts. Ich mag den etwas simpleren Lebensstil. Natürlich schätze ich den Komfort, den all diese Errungenschaften mit sich bringen. Doch auch das Einfache hatte – und hat – seinen ganz eigenen Charme. Letztes Jahr hatte ich beispielsweise den ganzen Sommer über eine kleine Analogkamera dabei, von denen ich euch hier am Ende des Blogs einige Bilder nicht vorenthalten möchte.