365 Tage Alp

Ich selbst gehe in diesem Jahr den siebten Sommer auf die Alp Empächli und den achten Sommer allgemein zur Alp. Ich habe mal gehört, entweder man liebt das Alpleben und geht immer und immer wieder oder man hat es einfach nicht gern und es bleibt bei einem Sommer.

Wie alles anfing

2010 ging eine Freundin von mir auf eine kleine Ziegenalp im Obergoms im Wallis in ihrem Praxissemester. Ich war sie zweimal zwei Wochen lang besuchen und habe mich in das Leben verliebt. Ein einfaches und reduziertes Leben, bei dem man sehr von der Natur abhängig ist. Am Ende vom Tag sind da die Anstrengung aber vor allem auch die Zufriedenheit über die erledigten Arbeiten in jeder Faser des Körpers zu spüren. Im Sommer 2012 sind wir dann gemeinsam auf diese Alp gegangen. Ein Leben ohne Strom, ohne Warmwasser und ohne Dusche. Baden konnte man im Bach oder man musste sich mit der Holzfeuerung Wasser erhitzen und mit einem Messbecher über den Kopf kippen. Gekäst wurde über einem Gasbrenner mit einer Autobatterie in einem kleinen schwenkbaren Kupferkessi. Es war sehr schön.

Nun gehe ich seit sechs Sommern auf die Alp Empächli und es ist ganz anders. Mit Familie, Haus und Hof bin ich sehr froh, dass wir eine gut befahrbare Zufahrtsstrasse haben, Strom, Warmwasser, eine Waschmaschine und nicht zu weit von zu Hause entfernt sind. Es ist eine viel luxuriösere Alp als im Wallis und trotzdem noch sehr einfach.

Was machen wir nach dem Alpsommer?

Wenn die Kühe und Rinder von der Alp ziehen, ist die Zeit, in der man auf der Alp lebt, vorbei. Aber für uns wird es erst ruhiger, wenn alle Zäune abgelegt sind, die Hütten geputzt und alles Material versorgt und winterfest gemacht worden ist. Eigentlich ist man als Senntenbauer 365 Tage auf der Alp, körperlich oder in Gedanken. Irgendetwas ist immer zu tun, zu reparieren, vorzubereiten oder zu besorgen…

Zu Hause wartet immer ein Stall mit Tieren auf uns, die versorgt werden wollen. Wenn auch hier unten der Winter einzieht, wird es ruhiger. Die Versorgung der Tiere im Stall übernimmt der Grossvater. Jörg hilft jeden Tag noch eine bis zwei Stunden. Im «Obergüetli» haben wir noch sechs Kälber von Jörgs Schwester. Deren Versorgung teilen sich Jörg und ich.

In diesem Herbst konnte Jörg eine Ausbildung zum Patrouilleur machen und darf nun während der Skisaison bei den Sportbahnen Elm, gerade oberhalb von unserem Haus, arbeiten. Auf Arbeit fährt er mit den Ski und nach Hause kommt er auch mit den Ski gefahren… Ein Luxus, den nicht jeder hat. Wir sind sehr froh, dass Jörg auch im Winter die Möglichkeit hat, saisonal zu arbeiten.

Ich bin im Winter zu Hause und kümmere mich um Haushalt, Kinder, Käsevermarktung und die Büroarbeit.

Von der Alp ins Büro und dann etwas Entspannung

Normalerweise mache ich während des Alpsommers am Abend ab und an einen kleinen Ausflug nach Hause, um die Buchhaltung aktuell zu halten.

Im letzten Alpsommer war ich aber immer zu müde dazu. Denn ich hatte ja einen kleinen Säugling, der mich unbedingt brauchte. So hat sich alles angestaut und ich musste es im Herbst nachholen. Und das könnt ihr mir glauben: es hat eine Weile gedauert, bis ich sämtliche Einnahmen und Ausgaben abgetippt hatte.

Jörg und mir ist es wichtig, dass wir nach der Alp an den Sonntagen sehr viel Familienzeit haben. Wir gehen so oft es möglich ist wandern. Nehmen uns etwas Feines zu Essen mit und haben so etwas Entspannung vom langen Alpsommer.

Vorbereitungen für den kommenden Sommer

Sobald das neue Jahr begonnen hat, sind wir auch schon wieder am planen des kommenden Alpsommers. Da Beni und Sandra (Jörgs Bruder und Frau) im Frühling Nachwuchs bekommen, haben wir uns wieder entschlossen eine Hilfe anzustellen. Momentan sind wir noch mit Kennenlerngesprächen beschäftigt.

Ausserdem bereite ich sämtliche Unterlagen und Formulare für die kommende Alpsaison vor und später im Frühjahr werden dann noch alle Käsereimaterialien bestellt und zur Alp gebracht.

«Zügeln»

Die Saisonarbeit auf der Alp bedeutet für uns viermal «zügeln», also umziehen.

Zur Alp zügeln und wieder nach Hause ist schon sehr aufregend und spannend, aber wir können uns Zeit lassen und etappenweise umziehen.

Das Zügeln von Unterstafel zu Oberstafel und später wieder zurück ist immer eine recht nervenaufreibende Sache. Die Kühe müssen hin und her, sämtliche Käsereiutensilien müssen mit aber vorher wird erst noch gekäst. Melkmaschine, Aggregate und Kannen – alles wird mitgenommen.

Nach einem langen anstrengenden Tag ist es das Schönste, wenn die Kühe gemolken, alles versorgt und vorbereitet ist für das Käsen am nächsten Morgen. Dann ist es Zeit, sich ins Bett zu legen und einzuschlafen.

In diesem Jahr kommt eine neue Herausforderung zu unserem Alpalltag hinzu: Klara kommt in den Kindergarten. Da auf der Alp alles ein bisschen nach Stall oder Holzfeuer riecht, muss Klara sich irgendwie immer frische Nicht-Alp-Kleider anziehen, bevor ich sie in den Kindergarten bringe. Ich hoffe, wir bekommen diesen Spagat zwischen Alparbeit und Kindergarten, hin- und herbringen gut und stressfrei organisiert.

Mein Fazit

Alles in allem ist das Leben mit der Natur in Saisonarbeit sehr schön und erfüllend. Und bringt vor allem Zufriedenheit. Manche Tage allerdings sind schon ganz schön anstrengend und gehen an die Substanz. Dennoch möchte ich das Leben auf der Alp mit der Natur und den Tieren nicht missen und ich hoffe auch, dass unsere Kinder von dem Leben mit und in der Natur sehr viel lernen können.

Also, vielen Dank fürs Lesen und weiterhin einen schönen Winter wünscht

Katharina