Sennen-Alltag - Alpkäse

Mein Wecker klingelt um 4:30 – ich bin der erste, der auf Vorder Menigen aufsteht.

Ich werde jeweils freudig von Rocky begrüsst, der es kaum erwarten kann, beim Küheholen zu helfen. Zuerst aber packe ich die Käse vom Vortag aus ihren Järben aus und bringe sie ins Salzbad. Dann bereite ich den Presstisch für die heutigen Käse vor. Dann das Melkgeschirr herrichten, im Stall noch frisch einstreuen und wenn ich Glück habe, kommen die ersten Kühe schon von alleine heim. Die anderen hole ich mit Rocky.

Sobald alle Kühe daheim sind, beginne ich mit dem Melken. Die „Chessimilch“ ist die beste Milch; die brauchen wir zum Käsen. Ein paar Liter Milch bekommen auch die kleinsten Kälber. Parallel zum Melken der letzten Kühe, erhitze ich die Milch im Chessi auf 32°C, damit ich mit der Milch der letzten Kuh auch gleich einlaben kann. Die Milch im Chessi braucht ca. eine halbe Stunde zum dick werden. In dieser Zeit frühstücken wir alle gemeinsam. Es ist schön, dass ich so viel Zeit mit meinen Kindern verbringen kann. Klar bin ich den ganzen Tag beim Arbeiten. Aber sie sind doch immer mit dabei und wir können zwischendurch auch mal etwas gemeinsam machen.

Dann kommt das Vorkäsen. Mit der Harfe schneide ich die „Dickete“ in Käsekörner. Beim anschliessenden „Brennen“ werden die in der Molke schwimmenden Käsekörner auf 52°C erhitzt und dann von Hand mit „Bögli und Tuech“ in die Järbe (Käseformen) abgefüllt. Vor dem Mittagessen putze ich die Sennerei und schmiere den Käse im Käsekeller. Bis zum Abend wende ich den Käse, den ich heute gemacht habe, 5-6 mal. Das ist wichtig, damit er die Molke los wird und so lagerfähig wird.

Am Nachmittag gibt es immer etwas zu tun. Holz hacken, heuen, Unkraut mähen, Rinder kontrollieren…. Nach einem gemeinsamen Zvieri beginnt dann auch schon der Abendstall. Nochmals Melken, Kühe auslassen und ausmisten. Nach dem Znacht folgt noch ein bisschen „Alp-Büro“ und vor dem Insbettgehen noch einmal Käse wenden und Käsetücher waschen.

Am Abend sitzen wir gerne noch zusammen auf der Laube. Zum plaudern oder einfach zum Sonnenuntergang schauen. Aber manchmal sind wir dafür einfach zu müde und fallen ins Bett. Um 4:30 beginnt ja schon ein neuer Alptag!