Das Leben der Alpweiden und Wälder

von Katharina Rhyner

20.10.2021

Die alpine Tier- und Pflanzenwelt verändert sich ständig. Je nach Höhe, Ausrichtung und Jahreszeit gibt es immer wieder neue Lebewesen zu entdecken. Diese ungezähmte Schönheit birgt aber auch Gefahren.

Mittlerweile ist so einiges passiert auf der Alp Empächli. Wir sind Ende August an den Unterstafel gezogen und haben dort die letzten Wochen der Alpzeit verbracht. In der letzten Septemberwoche dann sind wir mit den Kühen und etwas später mit dem Rindern heimgefahren.

Nun muss alles wieder geordnet werden. Kleider und Essen müssen versorgt werden, alles was im Büro liegengeblieben ist, nachgeholt werden und natürlich muss auf der Alp alles geputzt, aufgeräumt und winterfest gemacht werden. Weiterhin planen wir unseren Stand am Chäsmärt in Elm am kommenden Wochenende. Also, wir haben weiterhin ein volles Programm, genau wie die Natur am Berg.

Jeder Jahreszeit ihre Pflanzen

Wenn ich täglich zu den Rindlis gehe, um sie zu kontrollieren, fallen mir die vielen verschieden schönen Blumen auf. Ich fotografiere sie sehr gerne und wir (meine Kinder und ich) sammeln sie auch sehr gerne.

Im Frühling zu Beginn der Alpsaison, gibt es typische Blumen: Löwenzahn, Buschwindröschen, Pippau, Enziane… Später (beziehungsweise in höheren Lagen) wechselt die Vegetation zu Alpenrosen, verschiedenen Sorten Knabenkraut, Trollblumen, Arnika und wollenen Sumpfblumen.

Zum Herbst hin kommen dann Augentrost und das Heidekraut und natürlich alle Arten von Beeren hinzu: Walderdbeere, die gibts auch schon eher, Blaubeere, Himbeere und Preiselbeere. Immer ein Genuss, wenn man auf dem Weg ein paar Minuten Zeit findet, um eine Handvoll Beeren zu geniessen. Besonders schön sind auch die Silberdisteln, die im Herbst zuhauf erscheinen. Ich habe mir einige getrocknet und werde am Wochenende damit unseren Stand dekorieren.

Faszinierende Tierwelt der Alpen

Beim Überqueren der Wiesen ist uns besonders im Spätsommer aufgefallen, wie viele Falter es auf den Wiesen gibt. Mit jedem Schritt fliegen sehr viele dieser Tiere auf. Auch gibt es viele Grillen, die besonders bei heissem Wetter gemeinsam mit anderen zahlreichen Insekten und auch Vögeln ein schönes Sommerkonzert geben.

Ab und an wird dieses Konzert von dem pfeifendhohen Schrei eines Murmeltieres (Mungg) unterbrochen. Diese kann man auch ab und an beim Fangenspielen mit ihren Kindern auf der Wiese beobachten. Nicht zu vergessen sind auch Steinadler, Bartgeier, Habichte, Bussarde und Falken, die uns aus der Luft beobachten und ab und an einen Schrei herunterschicken. Aus der Ferne können wir auch Gämsen mit ihren Jungen, Rehe, Füchse und Hasen beobachten.

 

 

Unsichtbare Gefahren

Immer im Hinterkopf haben wir die erstarkende Präsenz des Wolfes. Im Nachbartal hat er elf Schafe gerissen. Auf der höchsten Rinderweide hat Jörg im Zaun eine gerissene Gams gefunden. Es war immer wieder sehr aufregend zu den Rindern zu gehen. Ich meine, wenn ein Wolf in die Rinderherde eindringt und sie erschreckt, und alle davonlaufen, kann so einiges passieren. Da hilft auch kein Zaun mehr, der sie sonst von einem gefährlichen Felsabgrund fernhält.

Jedes Mal, wenn ein Kalb fehlt, sei es, weil es durch oder über einen Zaun geschlüpft oder einfach zu ruhig zwischen den Bäumen gestanden ist, habe ich unterschwellig eine gewisse Angst, dass der Wolf da sein könnte… Auch unsere Kühe waren drei Wochen in einem etwas entlegeneren Tal zum Melken und dabei war ein etwa dreiwöchiges Kalb, um das haben wir uns auch Sorgen gemacht. Aber es ist über die gesamte Alpzeit nichts Derartiges passiert.

 

Attraktion Biodiversität

Alles, was ich weiter oben benannt habe, ist nur ein kleiner Teil von dem, was wir eigentlich an Biodiversität auf der Alp finden können. Ich habe den Eindruck, dass die Artenvielfalt auf magereren Standorten bis zu einem gewissen Masse zunimmt, auf ganz kargen Standorten überleben natürlich nur die besonders angepassten Lebewesen. Es gibt viel zu entdecken…

Liebe Grüsse
Katharina

 

 

Blumenbilder-Galerie (klicke auf die Bilder für eine grössere Ansicht)

ornament

Weitere Geschichten

Oberstockenalp

Alpkäse in der Küche

Oberstockenalp

Die Alpsaison – Kulturerbe der UNESCO *** La saison d’alpage inscrite au patrimoine culturel de l’UNESCO

Oberstockenalp

Wie wird man eigentlich Sennerin oder Senn? *** Comment devient-on alpagiste?