Von A wie Alpenrosen bis R wie Recycling

Ich weiss, dass ich mein Versprechen nicht gehalten habe. Die Geschichte ist gestern Abend nicht weitergegangen. Respektive sie geht dauernd weiter, aber ich finde nicht immer Zeit zum Schreiben. Item.

Gestern sind wir also zäunen gegangen. Zäunen zwischen blühenden Alpenrosen, Teufelskrallen, Thymian und vielem vielem mehr. Auf den letzten Schneeflecken in den Furchen des Tannhorns haben sich Gemsen mit ihren Jungtieren gesonnt und abgekühlt. Ein herrliches Bild. Gestern habe ich übrigens zum ersten Mal ‚fast alleine’ Joghurt angesetzt. Auch hier ist es ziemlich eine Wissenschaft mit den Temperaturen. Sämtliche Bakterien haben nämlich gewisse Lieblingstemperaturen, bei denen sie am besten arbeiten. Ich verschone euch aber jetzt mit Einzelheiten und Tabellen. Bei den Bakterien bleiben wir allerdings.

Vielerorts stört man sich heute ab Pferdemist auf den Strassen. Als meine Eltern klein waren, war es noch üblich, dass die Kinder mit einer Schubkarre die Pferdeäpfel zusammengelesen haben, um sie im Hausgarten oder im Feld zu nutzen. ‚Der moderne Mensch’ (Ich nenne ihn jetzt einfach mal so.) graust sich davor. Auf der Alp ist das anders. Man könnte quasi sagen wir sind ein Recycling-Vorzeige-Betrieb. Jedes ‚Gageli’ geht an den Kreislauf zurück und via ‚bschütte’ erhält der Boden wieder eine Nährstoffzufuhr. Auch wenn Gülle vielleicht unangenehm riechen mag, so ist es doch um einiges ‚gruusiger’, wenn man dann das ‚WC’ leeren muss. Einigen Leuten ist es nicht bekannt, dass eine Alp nicht an die ARA angeschlossen ist, deshalb werfen sie auch ungeniert allerlei Unpassendes in die Toilette, sehr zu Leidwesen der Sennenfamilie, die dann das alles reinigen muss. Herzlichen Dank also im Voraus, dass Ihr das in Erinnerung behaltet. Jetzt aber weg von Toiletten und ‚Bschütti’.

Wenn wir schon von Recycling sprechen, so kann man auch noch über andere ‚umweltbewusste Energienutzung’ (Tönt vorbildlich, ist aber auch unheimlich praktisch) sprechen. Unser Joghurt entsteht zum Beispiel auf dem warmen Ofen, der vom Feuer am Morgen noch genug Wärme dafür hat. Mit dem gleichen Feuer kochen wir auch heisses Wasser für Kaffee, um zu brühen, um zu kochen etc. etc. Ausserdem wärmt dieser Ofen unsere Stube und wenn die Sonne sich hinter den Wolken versteckt, so fungiert die Stube auch als Wäschetrockner. Relativ simpel aber unglaublich effizient, obwohl der Tannisboden kein Minergiehaus ist.

Voilà! Jetzt nicht eine kurze Bilderklärung. Meine Mutter und Beat essen da nicht etwa Spaghetti, sondern ‚Chässpä’. Dabei fiel meiner Mutter eine Geschichte aus ihrer Schulzeit ein. Ihr Schulweg hat an einer Käserei vorbeigeführt. Der Käser hat den Schulkindern immer die ‚Chässpä’ vor die Türe gelegt, Darvida und Bananen gab es damals noch nicht zum Znüni. Und so hiess es ‚dr Ender isch dr Gschwinder’. Da meine Mutter(Gödu) bekannt war für ihre Schnelligkeit, hat sie dann des öfteren von den stärkeren Buben Schläge kassiert, weil sie bereits einige ‚Chässpä’ gegessen hatte. Das war also ein Erlebnis für sie. ‚Spä’ essen ohne anschliessenden Prügel. E Guete.

 

 

Kurze Anmerkung der Redaktion: Uf de Bilder hets obe links es Symbol, wo när Bildkommentare azeigt. Viel Spass bim Schmunzle.