Vom Milchpreis und vom Käse

Nume schnäu zum säge: Fiona, unser Kuhkalb von letzter Woche, ist gesund und zwäg. Und dann gabs am Sonntag grad no einisch es Chäubli, wieder ein Muni. Näbem Zuun hats gelegen, ganz zfride. Und scho gross und kräftig. Das ist immer eine Freude, die Tierli so anzutreffen.

Umso trauriger, wenn’s anders ist: die Ursina ist äuä am verwärfe, das heisst sie verliert ihr Kalb. Kühe tragen nach Lehrbuch 9 Monate und 10 Tage. Ursina ist im 7. Monat. Das Kalb ist wahrscheinlich schon tot. Ursina frisst zwar, aber man merkt deutlich, dass etwas im Bauch nicht stimmt. Sie ist zwischendurch am pressen und komisch buggele. Das ma eim aube scho, so Sache.

Am Samstag war der traditionelle Halbmarathon von Oberwil aufs Stockhorn. Vor der Oberstockenalp steht jeweils ein Verpflegungsstand und die Abkühlung im Brunnen, bevor es dann das letzte Stück steil hinauf geht. Etwa 480 Läuferinnen und Läufer haben die Strecke bewältigt, bravo! Und das Wetter hat au gehalten, erst am Abend ist dann der Regen gekommen. Der Blick gegen das Horä war lustig, da sah es zeitweise aus wie ein Ameisenhaufen, lauter farbige emsige Liibli am secklä. Das gäbe auch noch guete Chüejer, die wären in der Hälfte meiner Zeit im Guschtistall obe…

Ein Highlight war auch der Vollmond am Dienstag. Und das erneute Pfudlä. Da hab ich die Arme wiedermal richtig gespürt. Jemand hats mal gut gesagt: was man auf der Alp ganz sicher kennenlernt, früher oder später, das sind die eigenen Grenzen. Auch einmal gut.

Aber jetzt zum Käse. Wie er entsteht, haben die Mannen von der Alp Weissenberg schon gut beschrieben. Bei uns gibt’s jeden Morgen zwei grosse Alpkäse von 300 Liter Milch. Die werden einen Tag lang gepresst im Järb (das ist die runde Form). Dann kommen sie ins Salzbad und schliesslich auf die Holzbretter. Da kriegen sie täglich eine Schmierbehandlung, das heisst achälüpfä auf das Salzbrett, chehrä, schmierä mit der Bürste – u de nid nume striichle sondern richtig zbodä ha, ume uechelüpfä. Das gibt Oberarme! Es sind nämlich Wäutsplegärä, 12 bis 13 Kilo. Und schöne!

Die ersten Tage werden sie auch noch mit Salz und Pfeffer, später nur mit Salz eingestrichen. Das gibt eine schöne Farbe und eine gute Reifung. An der Alpkäsemeisterschaft wird nämlich nid nur der Geschmack, sondern auch das Aussehen beurteilt.

Wenn der Zusenn die Alpkäse durchhat, pflegt er auch noch die Weichkäsli (die sind sehr viel leichter) und die Mutschli. Diese können wir jetzt dann anschneiden. Zu kaufen gibt’s in der Oberstockenalp letztjährigen Alpkäse, vorletztjährigen Hobelkäse, diesjährige Mutschli und Weichkäse. Ausserdem auch Anke, wenn man fragt. Und Nidlätäfeli natürlich.

Das ist für mich persönlich etwas vom Schönsten am pure: man ist bei der ganzen Wertschöpfungskette von Lebensmitteln dabei. Vom Melken bis zum Käse. Vom Korn bis zum Brot. Das ist etwas wunderbares, aus der Erde etwas holen, das man schliesslich essen kann. Deswegen sind unsere Bauern doch au wichtig für uns! Sie produzieren schliesslich LEBENSmittel. Immer noch das Wichtigste, nicht? Und wenn wir halt die Milch und das Fleisch lieber billig im Grossverteiler einkaufen, dann ist die logische Folge Unterstützung via Steuergelder. Andersumä: wenn wir alle direkt beim Bauern unser Essen kaufen würden, wenn sie von der Industrie einen anständigen Preis bekämen für ihre wertvollen Produkte…dann könnte man vielleicht über die Direktzahlungen reden…ich wünsche mir zu Weihnachten und zum Geburtstag und sowieso, dass alle diesen Zusammenhang verstehen.

„Erzählen Sir mir einfach nicht, irgendein Konsument würde auch nur einen Liter weniger Milch trinken, wenn die Sache im Laden 20 Rappen teurer wäre. Es gibt kaum etwas Unelastischeres als Milch. Gut, vielleicht Beton. Aber Milch wird einfach getrunken. Die Leute kaufen einen Fernseher mehr, wenn er billiger ist, oder fressen mehr, am liebsten das Doppelte, wenn es halb so viel kostet. Milch trinken sie keinen Liter weniger, wenn Milch teurer ist. Aber die Migros hat Angst vor dem Coop und der Coop hat Angst vor der Migros. Und alle liegen sie wie totgestellte Rinder auf der Verladerampe und denken, wenn ich nichts mache, passiert auch nichts. Falsch gedacht. Der Discounter übernimmt den Markt und fährt ihn an die Wand.“ Simone Barth in der Bauernzeitung vom 22.07.16.