Zu unserer Alp gehört unterhalb des Stockhorns das Stockenfeld dazu. Es liegt 400 Höhenmeter oberhalb unserer Alphütte. Dort verweilen für ca. 7-8 Wochen Gusti, Mutterkühe und Kalber.
Jeden Tag durfte ich zu Fuss zu den 22 Tieren zum Rechten schauen gehen. Meistens habe ich die Kühe mit Kalb und die Gustis vormittags in den Stall gejagt. Somit konnte ich kontrollieren ob alle gesund und munter sind, und die Tiere waren von der Hitze und Fliegen besser geschützt. Es herrscht ein rauhes Klima auf dem Feld mit dem stetigen starken Wind. Zudem ist das Stockenfeld natürlich oberhalb der Waldgrenze und keine Tanne bietet Schatten an. Steil zieht sich die Alpweide bis unter die Bergstation der Stockhornbahn. Nur Zisterenwasser, d.h. Regenwasser gesammelt vom Dach, ist hier oben zur Verfügung zum Tränken. Also, Wasser laufen lassen verboten, sonst ist man ohne Wasser bis es wieder regnet. Das wurde mir schon als kleiner Bub eingetrichtert, dass beim Füllen des Brunnens immer darauf geachtet wird, wieder rechtzeitg den Hahn zu schliessen.
Am Nachmittag nach dem Zvieri lief ich das zweite Mal hoch um die Tiere rauszulassen und den Stall  sauber zu machen und den Brunnen aufzufüllen.
Diesen Sommer war meistens schönes Wetter und ich konnte nach ca. 15 Minuten Fussmarsch die grandiose Aussicht geniessen. War es mal nicht strahlendes Wetter gab es auch interessante Sachen zu sehen, sei es Gemsen, Murmeltiere oder die schönen Blumenpracht.
Jedes Mal wenn ich hochgegangen bin habe ich auf die Uhr geschaut. Vielleicht war ich dieses Mal noch näher an der Bestzeit?
Mit 12 Minuten 30 Sekunden gab ich mich dann zufrieden. Diesen Fussmarsch und diese Arbeit habe ich sehr gerne gemacht. Auch der Alpsommer hat mir sehr gefallen als Angestellter bei meinen Eltern. Es war eine gute Gelegenheit Geld zu verdienen um ein Teil meines Studiums zu finanzieren und ich konnte hautnah das Alpleben als Erwachsener erleben.
Dieses Jahr nach 8 Wochen kamen die Rinder noch für 14 Tage zur Oberstockenalp, bis sie dann wieder auf die Vorweide Brümst gezügelt worden sind.
Bis jetzt hatten wir auch schon drei Chälbeni bekommen. Alleine kalbten die Mutterkühe draussen ohne Mühe und ganz unkompliziert. Schon ein kleines Wunder wie sich die kleinen Kalber schon nach wenigen Stunden auf den Beinen halten und den Weg zur Muttermilch finden!
In etwa 10 Tagen gehen alle Tiere wieder zurück zum Bauern und wir sind jedesmal wieder froh wenn alle gesund und gut versorgt zurück gegeben werden können.

Meine Alpzeit als Angestellter auf der Oberstockenalp ist jetzt vorbei. Heute habe ich das Studium in Burgdorf angefangen zur Maschinenbautechnik. Sicher werde ich noch übers Wochenende auf der Alp anzutreffen sein, bis die Alpzeit für die ganze Familie  Ende Oktober  zu Ende geht.
Gruss,

Ruedi