Pech & Pannen zum Ersten

Noch nicht lange sind wir da und schon zeigt sich die Alpzeit von der turbulenten Seite. Ich weiss, mein letzter Beitrag ist noch nicht lange her, aber den letzten Montag möchte ich kurz mit Ihnen, liebe Leserinnen & Leser, Revue passieren lassen. Schliesslich war dies ein typischer Alptag mit allen Hochs & Tiefs.

Der Tag startete gut, wenn auch regnerisch. Der erste Käse vom Sonntag sah (und sieht bis jetzt) übrigens gut aus und wurde frühmorgens ins Salzbad gelegt. Also alles bestens soweit. Nach dem Stall ging es gleich in die Käserei und da die ersten bangen Momente: die Zentrifuge, ein grosses Ungetüm, gab ganz eigenartige Geräusche von sich. Etwas fraglos schauten wir uns an. Ist es wegen der langen Winterpause oder dem erst durchgeführten Reparaturservice? Mit mulmigen Gefühl schauten wir zu. Nachdem alle Molke durch die Zentrifuge durchgelaufen und die frische “Nidle” (Rahm) in der Kanne war, nahm Simon das Ding nochmals auseinander. Eigentlich alles in Ordnung. Nach ein paar Flüchen und Handgriffen läuft sie jetzt wieder rund. Hmm…

Dann der nächste unliebsame Zwischenfall: Das Rührwerk beim Pasteur, den wir zum Nidle pasteurisieren, Joghurt & Ziger machen brauchen, gab den Geist auf. Zuerst drehte sich der Rührer nur noch langsam und dann ging gar nichts mehr. Klar, die Maschine ist nicht mehr die Jüngste, trotzdem ein Seich! Nun hiess es sofort Ersatz beschaffen oder reparieren. Simon war gefordert.

In der Zwischenzeit erwarteten wir die Ankunft von 30 Amerikanern auf Senioren-Studienreise, die sich für eine Führung und ein Raclette-Essen angemeldet hatten. Dies war nicht das erste Mal und inzwischen hatte ich eigentlich gelernt wie man Molke, Mist und Lab auf Englisch sagt und betont. Doch die rüstigen Rentner brachten mich mit ihren schwierigen Fragen zur Käsewirtschaft & Landwirtschaftspolitik ein wenig ins Stottern. Da hiess es wieder mal improvisieren, umschreiben und locker bleiben. Gemeinsam konnten wir die 30 hungrigen Touristen gut versorgen. Die neuen Älpler vom Zimmerboden waren ein bisschen perplex, dass sogar auf der Alp Englischkenntnisse gefragt sind. Geht natürlich auch ohne, hauptsache man versteht die Kühe…

Nach dem Abwasch gings wieder in den Stall. Doch in der Hektik gingen die Melkmaschinen vergessen und waren nicht am benötigten Ort. Aber alles halb so wild, die waren schnell organisiert. Und als Piotr und ich so am Melken waren, hörten wir plötzlich etwas gar nah am Stall Glocken von anderen Kühen. Kein gutes Zeichen! Tatsächlich waren unsere “Gustis” (Rinder) nicht mehr in der richtigen Weide.

Nach dem ersten abendlichen (und erfolglosen!) Versuch die Rinder wieder hochzutreiben kam zum Glück Unterstützung. Gemeinsam konnten die Teenager dann wieder in ihr Gebiet zurückverfrachtet werden. Wir schafften es gerade noch vor den Hagelkörnern zurück zum Stall.

Nicht immer läuft alles wie am Schnürchen und oft ist Flexibilität gefragt, was die Sache auch spannend macht. Denn ganz ehrlich, die Herausforderung würde einem wohl früher oder später fehlen. Trotzdem ist es auch sehr entspannend, wenn manchmal alles klappt und funktioniert. Für den defekten Pasteur konnte übrigens kurzfristig Ersatz gefunden werden, zum Glück!

Bis bald

Nadja