its wonderful, so wonderful hie obä

Liebe Alpfreunde, seit gut einer Woche sind wir oben und schon könnte ich ein Buch schreiben darüber, was wir alles erleben! Jeder Tag ist ein Abenteuer.

Ich könnte von den eindrücklichen Wetterwechseln erzählen und wie wir abends auf der Holzlaube die Gewitterwolken bestaunen. Von der Schiterbigi im Tal, die wächst und wächst und viel Schweiss kostet. Vom Fahnenaufzug. Von der amerikanischen Familie, die bei uns übernachtete und mit Schwärmen nicht mehr aufgehört hat, everything is gorgous und die Aussicht wonderful und der Chäs und die chalte Ovi delicious. Vom ersten kalten Bad im Vorderstockensee. Von den jungen Bungeejumperinnen, die mit dem Sprung in den See ihren Lehrabschluss gefeiert und spätabends mit einem Bärenhunger bei uns angeklopft haben. Oder von den israelischen Freunden der Alpfamilie, die uns besucht haben – was für ein schöner Abend in hebräisch, deutsch und englisch. Apropos Sprachenvielfalt: am Mittwoch sassen auf unserer Sonnenterasse nebst Romands und Deutschschweizern sogar zwei Tessiner Gäste. Che bello! Sowieso ist es schön hier oben zu bedienen: fast alle haben eine Riesenfreude an der Aussicht, dem Essen, der Alp. Und wenn sie dann noch vom Senn höchstpersönlich eine Geschichte hören vo färn dann steigen sie später gut gelaunt mit einem Pfund Alpchäs im Rucksack zur Chrindi hinab. Manchmal gibt es auch diejenigen, die nicht verstehen, weshalb es grad no keine frische Milch gibt – immerhin sit dir da uf dr Alp. Also erkläre ich, dass die Kühe noch nicht hier oben sind und die Milch drum grad no aus dem Beutel kommt (aber nicht mehr lange!) und wünsche mir leise, sie würden diese Einstellung auch unten im Tal haben und somit die Milch grad bei den Bauern holen und nicht vom Grossverteiler…

Unser Team ist diese Woche um eine junge Frau gewachsen: Michelle wird uns eine Zeit lang unterstützen und mit uns auf der Alp leben. Sie ist via Projekt Alp zu Bühlers gekommen, sie sind eine der Gastfamilien und bieten geschützten Platz für eine Auszeit.

Das grösste Abenteuer war wohl der Säulistall, den unsere Mannen kurzum geplant und gebaut haben. Die Elemente wurden in der Zimmerei in Erlenbach zugeschnitten, ins Gondeli geladen, irgendwie auf das Materialbähnli verfrachtet und auf die Alp hoch gebracht. Am Samstag wurde dann im Regen gezimmert, geschraubt, gehämmert und gesägt. Im Nu stand das Holzhäuschen. Das si Siebesieche! Am Montag dürfen die Säuli ihr Daheim beziehen. Auch drinnen wurde gwärchet, am Brezelieisen und am Radio beim Anfeuern der Schweizer Tschütteler. Genützt hats bekanntlich nichts.

Vom Chäs kann ich auch noch etwas erzählen, ich durfte nämlich den Hobelkäse waschen! Der letztjährige Alpkäse wird im Chäskeller aufbewahrt, wo es feucht ist. Für Hobelkäse muss der Käse in einem Raum mit weniger Luftfeuchtigkeit lagern, damit er ein weiteres Jahr trocknen kann. Also habe ich zehn der grossen schönen runden Laibern am Brunnen geschrubbt, bis die Käseschmiere nicht mehr an der Käserinde (dafür an mir) klebte. Zum Trocknen haben wir sie aufgereiht, danach kommen sie in den trockenen Milchgadä. Das Waschen ist nötig für eine saubere Rinde und schützt vor Milbenbefall, habe ich vom Senn gelernt. Übrigens für alle Nichtpürinnen und –pure: falls ihr einmal den Chäsechäller eines Senns ansehen dürft – beim Eintreten wünscht man immer Glück i Chäuer. Ein schöner Brauch.

Jetzt freuen wir uns auf die Züglete am Dienstag, dann laufen die Mutterkühe mit Kälbern, die Guschtis, die Milchkühe und wir von der Vorweide auf die Alp. Dann beginnts so richtig. Juhui!