Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen– so werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.

Weissagung der Cree

 

Seit meiner Kindheit bleibt mir diese Weissagung aus einem Indianerbilderbuch im Kopf. Draussen regnet es wieder einmal. Solch ein bedeckter Himmel nährt die Melancholie. Langsam aber sicher fehlt uns allen die Sonne. Die Kühe kommen am Morgen ‚pfludinass’ nach Hause und können manchmal kaum warten bis nach dem Melken, mit Hinlegen. Langsam zerrt das schlechte Wetter auch an ihren Kräften und Nerven. Die Ziegen, allgemein eher wasserscheu, suchen meist neben dem Hühnerstall ein trockenes Fleckchen. Gutschi und Kalber drängt es jetzt auch in den trockenen Stall. Selbst die Hühner konzentrieren sich mehr aufs Legen, als auf die Betriebsbesichtigung. Auch unser Käse mag das kalte und nasse Wetter gar nicht. Er bedarf einer grösseren Pflege und reift anders. Vorallem der Geisskäse ist äusserst unglücklich über das Tiefdruckgebiet, das über die Schweiz zieht.

Nun wieder zur Einleitung dieses Blogs. Letztens habe ich mit Ueli bei Znacht ein bisschen über dies und jenes geplaudert. Unter anderem auch über den Milchpreis. Es war mir nicht bewusst, wie wenig ein Bauer noch erhält pro Liter Rohmilch. Eigentlich ein Liter gesunder, unbehandelter Nahrung. So viele Wiederverkäufer nehmen allerdings noch ‚Öppis zwüschuse’ – vielleicht sogar mehr als der Bauer, der die Kühe hegt und pflegt – bis es schlussendlich zum Konsumenten gelangt. Da frage ich mich, wieso stehen wir, als Konsumenten nicht schon lange auf die Barrikaden und stellen uns gegen diese Ungerechtigkeit. Ist es uns denn lieber, dass Geld nicht dem Produzenten zu geben, sondern in eine schöne Verpackung zu investrieren und in tote Markennamen? Der tiefe Milchpreis ist sicher mitunter ein Grund, dass die Sömmerung für einen Bauer kaum noch rendiert. Erstens ist es in riesiger Aufwand, eine ganze Haushaltung und ‚Burerei’ zu zügeln. Andererseits bedeutet die Alpweide auch ein gewisser Milchrückgang. Zwar ist die Alpmilch in ihrer Qualität massiv besser, durch die höhere Kräutervielfalt der Alpweiden – allerdings können die Alpenpflanzen nicht mit dem Nährstoffgehalt des Gewächses mithalten. Viele Kühe sind sich heute nicht mehr gewohnt, ihr Futter selber zu suchen. Und würde das nicht ‚prästieren’. Um eine konstante Milchleistung zu erhalten, sehen sich einige Bauern sogar gezwungen Jahrein Jahraus das Gleiche zu füttern. Unter Umständen frisst die Kuh also Jahreszeiten unabhängig. Es geht also bereits im Stall in eine ähnliche Richtung, wie im Einkaufzentrum. Es ist fast das ganze Jahr alles ‚Wünschenswerte’ verfügbar.

‚Lebensmittel’ bedeutet für mich aber eigentlich auch Leben und Lebendig. Und Leben ist in unseren Breitengraden an saisonale Unterschiede gebunden.

Wie auch immer. Ich möchte hier niemanden anklagen. Aber immer wieder wird mir die Frage gestellt, was in mir das Alpleben auslöst?

Das ist halt auch ein Teil meiner Antwort. Es löst in mir auch Traurigkeit aus. Darüber was der Mensch, der eigentlich mit der Natur arbeitet, im Moment zwingt, manchmal gegen sie zu arbeiten. Falls es einmal soweit kommen sollte, dass niemand mehr die Alpen bewirtschaftet, so werden auch Mountainbikerouten, Wanderwege und Alpkioske verschwinden – ebenso der chüschtige Alpkäse, der Alpmutsch und all die feinen Alpprodukte, ein Stück Schweizer Geschichte. Und nicht nur das, auch das gesunde ‚Höhentraining’ und die dadurch robusteren Kühe. Insgesamt bedeutet Sömmerung also viel mehr als „ein bisschen Melken und Käsen“, was man vielleicht manchmal zu leicht vergisst, wenn man es nicht hautnah vor Augen hat.

Sooli, jetzt aber genug der Melancholie. Heute hat die Sonne wieder mal Erbarmen gehabt und uns einen schönen Sonntag beschert, mit vielen Besucher. Nicole und Gérard aus Mamishaus, eine grosse Gruppe Wandersleute aus dem Sörenberg, Familie Surrer

(Man erinnert sich – Irina, die Musikalische Kuh, ist ihre), Bekannte von Maria und Marcel und einige mehr.

 

Chömit aui wieder gut hei und ufwiderluege! DANKE, dass ihr heute Schweizer Tradition unterstützt habt.

 

E liebe Gruss ou a aui ,wo hüt lieber daheime si blibe

 

 

Kathrin

 

Ps: D’Sterndolde si churz vorem ufga (Astrantia major und minor), usserdem blühe jetzt Türkenbundlilie und dr gelb Iisehuet ou Wolfshut genann